Markennews
Donnerstag, 7. Juni 2018

«Le Matin» gibt es künftig nur noch digital

Die Schweizer Tageszeitung «Le Matin» stellt die gedruckte Ausgabe ein. Sie ist damit die erste Tageszeitung der Schweiz. 

Das Medienhaus Tamedia will die Defizite von «Le Matin» nicht mehr länger tragen. Seit zwanzig Jahren schreibe die Tageszeitung Verluste, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Im vergangenen Jahr sei ein Minus von 6,3 Millionen Franken verzeichnet worden; in den letzten zehn Jahren habe man insgesamt 34 Millionen verloren. Nun zieht Tamedia einen Schlussstrich. Voraussichtlich ab dem 21. Juli soll das Organ, dessen Geschichte 150 Jahre zurückreicht, nur noch über digitale Kanäle erscheinen.

Von der Einstellung der gedruckten Ausgabe sind laut Tamedia maximal 41 Beschäftigte betroffen, davon maximal 24 redaktionelle Mitarbeiter. Ein Sozialplan ist vorgesehen. Der Chefredaktor des «Matin», Grégoire Nappey, hat aufgrund der Neupositionierung beschlossen, seinen Posten zu verlassen. Das Steuer übernimmt Laurent Siebenmann, derzeit für den digitalen «Matin» zuständig.

Der Entscheid zur Einstellung des gedruckten «Matin» war absehbar. Entsprechende Andeutungen hat die Führung von Tamedia bereits früher fallenlassen. Im März sagte Präsident Pietro Supino, dass die Tageszeitung nicht vollständig der strategischen Positionierung von Tamedia entspreche.

Es handelt sich hier allerdings um eine Schweizer Premiere: Erstmals muss eine Tageszeitung die gedruckte Ausgabe aufgeben und den geschäftlichen Erfolg allein auf den digitalen Märkten suchen, wo die Herausforderungen keineswegs geringer sind als im Pressesektor. Damit wird «Le Matin» zu einem Testfall für die hiesigen Informationsanbieter. Das Organ hat denn auch laut Medienmitteilung den Auftrag, «auf Innovation zu setzen». Das verlegerische Gegenstück zum «Matin» ist die vom Aargauer Verleger kontrollierte Informations-Website Watson, die im Januar 2014 ohne Print-Heimbasis an den Start ging und bis jetzt noch nicht den geschäftlichen Durchbruch geschafft hat.

 

Quelle: NZZ, 7. Juni 2018